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Zwei Jahrzehnte als
gemischtwirtschaftlicher Betrieb
Mehr Strom
Mit der Einführung der Rentenmark
im November 1923 endete die Inflation. Das Leben in der Stadt
begann sich zu normalisieren. Die Wirtschaft erholte sich
langsam. Auch die F.E.W. mit ihren drei Abteilungen
(Elektrizitätswerk, Straßenbahn, Elektrobauabteilung) konnte
wieder auf gesicherter Grundlage arbeiten. Für die Straßenbahn
galt ab Januar 1924 der neue Einheitstarif von 15 Pfennig.
Strom bekamen die fast 9.100 Verbraucher, auf die inzwischen
die Zahl angestiegen war, entweder nach dem Pauschaltarif oder
nach Zählerangaben geliefert. Die Kilowattstunde Strom für
Lichtzwecke kostete im Durchschnitt 55 Pf. und für
Kraftleistung 30 Pf.
Im März wurde der Straßenbahnbetrieb auf der bisher
stillgelegten Teilstrecke Wilhelmsplatz - Chausseehaus
aufgenommen. Die Frankfurter konnten auch wieder bis zum
Schützenhaus fahren. Für das Jahr 1924 erwartete die F.E.W.
einen Rohüberschuß von über 600.000 Mark, wovon über zwei
Drittel vom Elektrizitätswerk kommen sollten. Die Frankfurter
Elektrizitätswerke GmbH war jedoch durch die Belastung der
vergangenen Jahre „gänzlich heruntergewirtschaftet“ und
bedurfte dringend Geld, um mit dem eigentlichen Neuaufbau
beginnen zu können“. Dafür reichte der Überschuß, nach Abzug
aller sonst notwendigen Ausgaben, nicht aus. An eine Reserve
für den Betrieb war längst nicht zu rechnen. Vordringlich
waren die Ursachen für die Klagen der Verbraucher wegen der
mangelnden Stromlieferung zu beseitigen. Dazu mußten die
Kriegs- und Nachkriegsschäden am ausgedehnten Gleichstrom- und
Drehstromnetz des Werkes beseitigt werden. Das
Elektrizitätswerk versorgte die innere Stadt mit Gleichstrom
120 V und belieferte die äußeren Teile der Stadt mit Drehstrom
220 V. Während allgemein die Drehstromspannung der
Gleichstromspannung angepaßt wurde, speiste das Werk die am
Rand der Stadt neu entstandenen Siedlungen mit höherer
Gebrauchsspannung. Für Großkonsumenten stand
Drehstromhochspannung mit 6 kV zur Verfügung. Es wurde
begonnen, die Eisen- und Zinkkabel durch solche aus Kupfer zu
ersetzten. Zum anderen galt es, die Hauptursache der
Beschwerden zu beseitigen und eine bessere Stromversorgung
durch die MEW zu erreichen. Die Stadt war bei ihrer Kritik
über eine mangelnde Versorgung von der MEW immer auf das
geplante Großkraftwerk in Finkenheerd verwiesen worden. Doch
nun, länger als ein halbes Jahr nach seiner Inbetriebsetzung,
waren die Kinderkrankheiten des Werkes noch nicht überwunden.
Sollte jedoch die Stromversorgung von Finkenheerd auf Grund
eines Defektes nicht möglich sein, so war die MEW
verpflichtet, der Stadt von einem anderen Kraftwerk Strom zu
liefern. Als im Februar 1924 wieder ein Turbinendefekt
auftrat, die Stromlieferung unterbrochen wurde und die MEW es
unterließ, der Stadt Strom vom Kraftwerk Heegermühle oder, wie
schon einmal 1919, aus dem Kraftwerk Trattendorf zu liefern,
wurde das Problem an die Verwaltung der Provinz Brandenburg
herangetragen. Die Handelskammer für Frankfurt a.O. und die
Neumark, in ihrer Verantwortung als Vertretung der Industrie -
sie nannte sich ein Jahr später Industrie- und Handelskammer -
sandte dem Oberpräsidenten der Provinz eine umfangreiche
Beschwerde. Dieser Eingabe schlossen sich die Stadt und die
Reichsbahndirektion Osten an. Der Kritik war Erfolg
beschieden. Noch im gleichen Jahr begann die MEW am Rande der
Dammvorstadt, auf einer Fläche, wo sich früher ein
Pulvermagazin befand (Wiesenplan 620, dann Pulverweg 9), ein
15 kV - Umspannwerk zu errichten. Jetzt wurde der Strom direkt
auf das Gebiet der Stadt angeliefert. Im Umspannwerk
Frankfurt-Ost, wie es bezeichnet wurde, wurde der über eine
Doppelleitung von Finkenheerd angelieferte Strom von 50 kV
durch Transformatoren auf 15 kV herabgesetzt. Die Station
stand mit dem gesamten MEW-Netz in Verbindung, so daß im
Bedarfsfalle jederzeit auch von einem anderen Kraftwerk die
Stromlieferung erfolgen konnte. Anfang 1926 wurden die dort
vorhandenen Transformatoren durch einen weiteren ergänzt. 1925
wurde das Reservezuführungskabel von der Station Nuhnen
gekappt und neu von der Station Ost verlegt. Von hier führten
drei Kabel zum Umspannwerk Mitte auf dem Grundstück der F.E.W.,
wo die weitere Herabsetzung auf 6 kV erfolgte. Der Strom wurde
dann durch die F.E.W. auf das Drehstrom-Netz verteilt, bzw.
durch rotierende Umformer in Licht- und Bahngleichstrom
umgewandelt. Die eigenen Stromerzeugungsanlagen bildeten jetzt
die „Reserve“, wie ein Jahrzehnt zuvor gehofft wurde. Das
Umspannwerk Mitte erfuhr Mitte 1927 noch eine erhebliche
Erweiterung. Die MEW baute darin eine neue Schaltanlage ein,
die automatisch die Zuführungskabel von der Station Ost
überwachte. Wie die MEW der interessierten Öffentlichkeit im
November 1927 mitteilte, sollten die „Spezialrelais...bei
Beschädigung eines Kabels die Abschaltung selbständig
vornehmen, ohne daß eine Unterbrechung in der Stromlieferung
eintritt, da zwei Kabel selbst bei der Spitzenlast eine
genügende Energiezufuhr gewährleisteten.“ Damit, so verkündete
die MEW, war endlich die Sicherheit in der Stromversorgung der
Stadt Frankfurt (Oder) gewährleistet. Derweil erweiterte die
F.E.W. ihr 6-kV-Hochspannungsnetz, zu der eine größere Anzahl
von Umspannstationen gehörten und versah die Anlage mit einer
verbesserten Überspannungsschutzeinrichtung. |