Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

100 JAHRE STROM UND STRASSENBAHN...


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Ende 1946 bezogen schon wieder fast 13.600 Verbraucher ihren Strom von der F.E.W.. In der ganzen sowjetischen Besatzungszone reichte der Strom nicht für die vollständige Versorgung aus. Auch das Kraftwerk Finkenheerd erbrachte auf Grund der Demontagen und anderen Gründen nur eine stark verminderte Leistung. Der Bezug von Elektroenergie wurde deshalb durch den SMAD- Befehl Nr. 55 vom 13. Februar 1946 rationiert. Danach erhielt jede Familie in 24 Stunden 0,5 kWh. Haushalte, in denen nur eine Essenzubereitung auf elektrischem Wege möglich war, bekamen zusätzlich 1,2 kWh. Trotz Rationierung und Einführung von Sperrzeiten reichte der Strom auch danach nicht aus. Stromabschaltungen waren an der Tagesordnung. Aufgabe der F.E.W. war es jetzt, den Stromverbrauch aller Konsumenten zu kontrollieren und über die Einhaltung des monatlichen Kontingents zu wachen. Überschreitungen sollten „ unnachsichtig hohe Geldstrafen und im Wiederholungsfalle sogar Stromabschaltungen und Gefängnisstrafen“ nach sich ziehen.
Mit dem Beginn des Winters 1946/47 traten zunehmend Schwierigkeiten auf. In Finkenheerd, wo die Demontagen gestoppt worden waren, konnte die schon halb demontierte Maschine 4, als dritte Maschine am 25. Oktober 1946 in Betrieb gesetzt werden. Der Grube Finkenheerd, seit Anfang 1947 nicht mehr Teil der Betriebsdirektion Finkenheerd der MEW, sondern der Direktion des Brandenburgischen Bergbaus unterstellt, wurde ein Teil der vorhandenen Technik in das Senftenberger Revier abgezogen. Immer schwieriger wurde es, dem Kraftwerk die benötigte Kohle zur Verfügung zu stellen. Der erhöhten Verbraucherzahl stand eine reduzierte Strommenge gegenüber. Der andauernde Winter mit seinen starken Schneeverwehungen beanspruchte auch die Straßenbahn über Gebühr. Durch die schlechte Ersatzteillage fielen Triebwagen aus. Um nicht die Motorwagen in dieser Situation zusätzlich durch die ansteigende Bahnhofstraße zu beanspruchen, wurde die Linie 1 verlegt. Sie fuhr jetzt die Strecke Schlachthof - Buschmühlenweg.
In dieser angespannten Situation erließ die SMAD am 17. Januar 1947 ihren Befehl Nr. 24 zur Stromeinsparung und Reduzierung des Verbrauchs. Betriebe hatten an Wochentagen ihren Stromverbrauch von 6 bis 22 Uhr um 75% zu reduzieren. Um dennoch weiter produzieren zu können, hieß dies Umstellung auf Nachtarbeit. Die Betriebe hatten außerdem ihren Verbrauch gegenüber Dezember 1946 zum 1. Februar um 5%, 15. Februar 10%, 1. März 15% verringern. Auch der Fahrbetrieb mußte von Januar bis März reduziert werden. Die Bahneinschränkungen sollten dazu führen, daß 1947 fast eine Million weniger Fahrgäste befördert wurden (1946 12.918.269/ 1947 12.000.648). Der Tagesablauf der Frankfurter richtete sich zunehmend nach der Strombelastungskurve.
Aber mit dem Ende des Winters sollten die Schwierigkeiten noch längst nicht beendet sein. Die anschließende Schneeschmelze ließ die Oder anschwellen. Nach dem Bruch des Dammes bei Reitwein wurde das Oderbruch überschwemmt. Vom 21. März bis 28. März 1947 mußte wegen Überflutung auch das Kraftwerk Finkenheerd außer Betrieb gesetzt werden. In der Stadt Frankfurt überflutete das Wasser die tiefer gelegenen Stadtteile, die Streckenabschnitte zum Schlachthof und zum Chausseehaus konnten kurzzeitig nicht befahren werden. Das Wasser drang zum F.E.W. Gelände in der Fischerstraße vor, wo am 23. März das gesamte Elektrizitätswerk, die Wagenhallen und das Materiallager unter Wasser stand.
Am 19. Juli 1947 konnte endlich die „Märkische Volksstimme“ vermelden: „Wieder normaler Straßenbahnbetrieb“. In dem Artikel kündigte K.-H. Boehmer zugleich an, daß die Straßenbahnen auf dem Platz der Republik, wie der Wilhelmsplatz jetzt hieß, den „sogenannten Beeren- und Pilzsammlerzug aus Richtung Cottbus, der um 22.51 Uhr eintrifft, abwarten“. Außerdem bot die Straßenbahn, „auf allgemeinen Wunsch der Kolonialwarenhändler“ einen Güterzug, ein ausrangierter Beiwagen, für den Transport von Obst und Gemüse an. „Damit kann den Einzelhändlern die unmittelbar an Straßenhaltestellen liegen, das Gemüse schnell und bequem von der Markthalle Bachgasse zu ihren Geschäften befördert werden“. Schon im Juni transportierte die Bahn 25 t, im Juli, nach der öffentlichen Ankündigung, die Transportzahl schnellte nach oben, waren es 120 t, im August 1947 180 t.
Durch eigene Reparaturen der F.E.W. verbesserte sich zunehmend der Wagenpark. Zusätzlich gelang es, alte Beiwagen, die in Frankfurt nicht mehr repariert werden konnten, „bei der Spezial-Waggonfabrik in Görlitz unterzubringen“. Am 21. Dezember 1947 wurde mit dem neuen Fahrplan „das für die nächsten Jahre bestehende Liniensystem eingeführt“. Die Linie 1 fuhr vom Markt am Rathaus zum Bahnhof, Linie 2 vom Westkreuz bis zum Schlachthof und die Linie 3 verkehrte vom Neuen Friedhof bis zum Chausseehaus.
Wenige Wochen später feierte die F.E.W. mit ihren über 500 Mitarbeitern den 50. Jahrestag von Strom und Straßenbahn. Die Festtage vom 23. bis 25. Januar waren ausgefüllt von den verschiedensten Veranstaltungen. Vertreter anderer Elektrizitätswerke und Straßenbahnunternehmen konnten dazu in Frankfurt begrüßt werden. Es fand eine Fachtagung statt, ein Festkonzert im Konzerthaus Bellevue, Betriebsfest und vieles andere mehr. Doch besonders dürfte den Frankfurtern die Rundfahrt von Straßenbahnen aus diesen 50 Jahren geblieben sein, die Fahrgäste waren in der Mode der jeweiligen Zeit gekleidet. Eine Festschrift erschien, die vor allem eine Bilanz des schweren Beginns zog und bei allen Gegenwartsproblemen optimistisch in die Zukunft blickte.

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