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Betriebsdirektion, VEB
Energieverteilung, VEB Energieversorgung...
Es dauerte nicht lange und die
Organisation und Unterstellungsverhältnisse innerhalb der
Energiewirtschaft wurde wieder verändert. Grundlage war die
„Verordnung über die Reorganisation der volkseigenen
Industrie“ vom 22. Dezember 1950. Ein Jahr nach der Gründung
der DDR wurde entsprechend dieser Verordnung der Energiebezirk
Nord aufgelöst und ein neuer Energiebezirk Mitte gebildet. Die
bisherigen Betriebsdirektionen wurden neu gebildet. Die
Betriebsdirektion Frankfurt (Oder) mit Betriebsstellen in
Fürstenwalde und Rüdersdorf entstand. Kurz darauf, 1952 wurde
der VEB Energieverteilung Frankfurt (Oder) gegründet. Bis 1953
gingen neben den Stadtnetzen auch die Genossenschaftsnetze
(177 mit 450 km Ortsnetzleitungen und Trafostationen) in die
Verantwortung des Betriebes über. Eine ausreichende
Stromversorgung war jedoch noch immer nicht gewährleistet.
Fast täglich wurde der Strom für ein bis zwei Stunden
abgeschaltet. Es mußte Strom in großem Umfang gespart werden.
Dazu wurde beim Rat der Stadt Frankfurt (Oder) ein
Kreisenergiebeauftragter eingesetzt, der in den Betrieben und
bei der Bevölkerung für einen geringeren Verbrauch warb. So
wurde zum Beispiel vorgeschlagen, früh von 6 bis 8 Uhr und
abends von 16 bis 22 Uhr „je Wohnraum höchstens nur eine 40
Watt Beleuchtung zu nutzen“. Eine „angeschaltete 40 Watt-
Glühlampe leuchtet heller, als eine ausgeschaltete 100
Wattlampe“. Die Betriebe der Stadt sollten ihre Produktion in
die Nachtzeit verlegen. Sie sollten jedoch nicht nur weniger
Strom verbrauchen, sondern, wenn eigene Krafterzeugungsanlagen
vorhanden waren, selbst Strom ins Netz einspeisen. Wie die
Zeitung „Neuer Tag“ am 24. Oktober 1952 meldete, hatten sich
der VEB Seifen- und Kerzenfabrik und die Koehlmann-Werke
entschlossen, „ihre gesamte eigene Erzeugung ... in das
öffentliche Netz abzugeben.“ Dadurch konnten die an die
Küstriner Straße angrenzenden Straßenzüge besser versorgt
werden. Ein Kreisenergieplan wurde aufgestellt. Es fanden
Energiekonferenzen statt und eine Aufklärungskampagne „Kampf
den Abschaltungen“ wurde durchgeführt. Diese Maßnahmen wurden
auch später noch beibehalten und durchgeführt. Bald sollten,
wenigstens offiziell, die Jahre der ständigen
Stromabschaltungen zu Ende gehen. Nach den Aufständen in den
Tagen des 17. Juni 1953 sollten die Lebensbedingungen der
Bevölkerung verbessert werden. Im Rahmen des sogenannten „
Neuen Kurses“ beschloß der Ministerrat im September 1953 die
Beendigung der Stromabschaltungen. Der VEB Energieverteilung
ersetzte jetzt zunehmend die Stahlseile beim
Mittelspannungsnetz durch Aluminiumseile, was zur Verminderung
der Leitungsverluste führte. Aber insgesamt reichte der Strom
immer noch nicht für eine kontinuierliche Versorgung aus.
Viele Frankfurter, besonders im Hansaviertel, wie der
Kreisenergiebeauftragte Ende November 1953 schrieb, hätten
zudem „den Beschluß fälschlich so ausgelegt, daß sie zu jeder
Zeit jede Menge Strom entnehmen“ könnten. Er appellierte an
alle Haushalte, sich der 100-Watt-Bewegung anzuschließen, was
bedeutete, daß von 16 bis 21 Uhr nur 60 Watt für die
Beleuchtung und 40 Watt fürs Radio genutzt werden sollten.
In dieser Zeit wandte sich die DDR vom förderalen Prinzip ab.
War sie nach der Gründungsverfassung noch als Bundesstaat
vorgesehen, so sollte jetzt die Zentralisation des politischen
Systems in der DDR vollendet werden. Die Länder bestanden zwar
formal weiter, doch die Landtage und Landesregierungen wurden
aufgelöst. Durch ein Gesetz vom 23. Juli 1952 wurden 14
Verwaltungsbezirke eingerichtet. Die jeweilige
Bezirksverwaltung, die dem Ministerrat unterstellt war, sollte
vorrangig auf der Basis zentraler Vorgaben handeln. Zwei Jahre
nach dieser grundlegenden Änderung des Staatsapparates wurde
die Energiewirtschaft neu strukturiert. Mit der Anordnung des
Ministers für Schwerindustrie vom 21. Juli 1954 „Über
Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der Organisation der
Energiewirtschaft“ wurden die bisherigen Energiebetriebe
aufgelöst. Für die 14 Bezirke der DDR entstanden 14 VEB
Energieversorgung, deren Versorgungsgebiet jeweils dem
Bezirksgebiet entsprach. Für den Bezirk Frankfurt (Oder) wurde
am 1. August 1954 der VEB Energieversorgung Frankfurt (Oder)
gebildet, der seinen Sitz in der Bezirksstadt Frankfurt nahm.
Der VEB Energieverteilung Frankfurt (Oder), der VEB Kraftwerk
Finow, der VEB Kraftwerk Finkenheerd, der VEB Kraftwerk
Stalinstadt - er wurde 1955 wieder ausgegliedert - und der VEB
Energieverteilung Eberswalde wurden als selbständige Betriebe
aufgelöst und aus ihnen der genannte VEB Energieversorgung
Frankfurt (Oder) gebildet. Er beschäftigte fast 1.900
Mitarbeiter und belieferte etwa 200.000 Abnehmer mit Strom.
Eine weitere Veränderung bei der Organisation der
Energieversorgungsbetriebe erfolgte mit der Gründung des
Bezirkswirtschaftsrates im Jahre 1958. War bis dahin mancher
Mangel aus einer Überzentralisation entstanden, so sollte das
jetzt verändert werden. Die Energieversorgungsbetriebe wurden
dem Bezirkswirtschaftsrat, einer relativ selbständigen Stelle
beim Rat des Bezirkes mit Planungs- und Anleitungskompetenz,
zugeordnet. Die Strom- und Gasversorgung wurden zusammengefaßt.
Am 1. Juli 1958 entstand daraus ein neuer Betrieb unter dem
Namen VEB Energieversorgung Frankfurt (Oder). Aber noch manche
organisatorische Veränderung sollte im Laufe der Zeit
erfolgen. Kaum ein anderer Industriezweig ist so oft
umstrukturiert worden, wie die Energiewirtschaft. |