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Als ein Jahrzehnt später die
Energieversorgungsbetriebe der Bezirke zu zentral
unterstellten Energiekombinaten zusammengefaßt wurden,
zweifelte mancher Fachmann am Sinn dieser Entscheidung. Jahre
danach erfolgte wiederum die Kombinatsauflösung. Für jeden
Bezirk wurde nun ein eigenes Energiekombinat gebildet.
Der 1958 entstandene Energieversorgungsbetrieb hatte zwei
Kraftwerke, die Kraftwerke in Finkenheerd und Finow, sowie
zwei Netzbetriebe und zwei Gasbetriebe (jeweils Frankfurt
(Oder) und Eberswalde). In Finkenheerd lief seit 1956 die
Umstellung auf Fernbekohlung. Die letzte Förderstätte des
Braunkohlenwerkes Finkenheerd war die Grube Helene. Ab 1955
verringerte sich kontinuierlich die Fördermenge. 1959 wurde
die Kohlenförderung eingestellt. Mit der danach aus dem
Senftenberger Revier kommenden Kohle gab es jedoch Probleme.
Anders als bisher auf dem kurzen, direkten Weg von der Grube
Helene zum Werk fror die Kohle jetzt im Winter auf den Waggons
fest. Es mußten Auftauhallen errichtet werden. Vom Bahnhof
Finkenheerd zum Kraftwerk wurde das Anschlußgleis erweitert
und neue Entladungstechnik angeschafft. Dennoch machte jedes
Jahr im Winter das Werk Schlagzeilen, wenn Mitarbeiter des
Kraftwerkes die Kohle bei Minusgraden mühselig von den Waggons
herunter schafften.
Ab 1959 erfolgte der Ausbau des Kraftwerkes. Die Lücken, die
nach 1945 durch die Demontagen entstanden, wurden wieder
geschlossen. 1963 wurde das Kraftwerk dem VEB Kraftwerke
„Arthur Becker“, Trattendorf, zugeordnet.
Mit Beginn der sechziger Jahre ging der VEB Energieversorgung
daran, das 110 kV-Netz aufzubauen. Bei der bis dahin üblichen
Übertragung über Netze mit Zwischenspannungen von 30 oder 50
kV traten erhebliche Netzverluste auf. Als erster 110 kV
Stützpunkt in Frankfurt (Oder) wurde in der Nähe des
bisherigen Station Nuhnen das neue Umspannwerk West gebaut.
1964 ging das Umspannwerk ans Netz. Während damit das 15
kV-Netz der Stadt gespeist wurde, wurde das 6 kV-Netz vom
alten Transformatorenhaus in der Fischerstraße beliefert. In
diesem Jahr konnte auch die lange währende Umstellung auf
Normalspannung beendet werden. Gab es Ende 1963 noch über 900
Abnehmer von Gleichstrom, so konnten 1964 die letzten
Umschaltungen erfolgen. Ob die letzten Abnehmer von
Gleichstrom vielleicht genauso wie ihre Eltern in den
zwanziger Jahren vom F.E.W. jetzt vom VEB Energieversorgung
die Installationsleistungen und andere notwendige
Veränderungen ersetzt bekamen?
Mit jeder weiteren Arbeit des Netzbetriebes Frankfurt (Oder)
verkleinerte sich das 6 kV-Netz, bis Anfang der siebziger
Jahre das gesamte Mittelspannungsnetz der Stadt auf 15 kV
gebracht werden konnte. Die daraufhin umgestellte Station in
der Fischerstraße dient seitdem nur noch als
Transformatorenhaus, gleich den anderen überall in der Stadt.
In dieser Zeit wurde die Stadt nach Norden und südlich von
Beresinchen ausgeweitet. Das neue Hansaviertel entstand, der
Kräuterweg wurde „verdichtet“ und vor allem Neuberesinchen,
ein Stadtteil für über 20.000 Einwohner, wurde geplant. Um das
vorhandene Leitungsnetz besser auszulasten, wurde Ende der
siebziger Jahre die Spannung auf 20 kV erhöht. Die Ausdehnung
der Stadt bedurfte jetzt eines weiteren Umspannwerkes. Dafür
erhielt das inzwischen gegründete Energiekombinat am 25.
August 1975 die städtebauliche Bestätigung durch den Rat der
Stadt. Ein halbes Jahrzehnt später konnte dieses Umspannwerk
Süd, das südlich des Fernsehturmes errichtet wurde, in Betrieb
genommen werden. Damit hatte Frankfurt seinen zweiten 110 kV-
Stützpunkt für das jetzt einheitliche 20 kV-Netz. Die
Frankfurter Netzbefehlsstelle des Mittelspannungsnetzes (20 kV
- Netz), welche sich bis dahin am Umspannwerk Westkreuz
befand, siedelte 1982 in das neugebaute Umspannwerk Süd über.
Die Leitung und Verwaltung des VEB Energieversorgung bzw. des
Kombinates arbeitete seit dem Anfang der sechziger Jahre
direkt im Zentrum der Stadt. 1959/ 60 errichtete sich der
Betrieb auf dem ehemaligen Grundstück des Hotels „Prinz von
Preußen“ am einstigen Wilhelmsplatz (Wilhelm-Pieck-Str. /
Zehmeplatz, heute Heilbronner-Str./ Zehmeplatz), in Sichtweite
zu dem einstigen Verwaltungsgebäude der F.E.W., sein großes,
mehrstöckiges Verwaltungsgebäude. Jeder Frankfurter kennt
dieses Gebäude, wurde doch hier sein Verbrauch von Strom und
Gas abgerechnet. Seit 1965, nachdem vorher zwei- und dann
dreimonatlich abgerechnet wurde, wurde die Abrechnung auf ein
maschinelles Verfahren umgestellt. Wie heute üblich, wurde
seitdem jedes Jahr nur einmal der Zähler abgelesen. Viermal
war ein Festbetrag vom Vorjahresverbrauch zu zahlen. Weniger
bekannt ist, was sich im obersten Geschoß des Hauses der
Energieversorgung befand. Hier war die „Bezirkslastverteilung“
für das Energienetz des Bezirkes Frankfurt (Oder) und von
Teilen des Bezirkes Potsdam untergebracht. Von hier wurde das
110 kV-Netz beherrscht. Je nach dem Tagesbedarf wurde von hier
aus die benötigte Energiemenge geregelt. |