Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

Frankfurt (Oder) - so wie es war


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Frankfurt - Stadt in Brandenburg

Frankfurt, so rühmte der Verfasser des "Landbuches der Mark Brandenburg" im Jahre 1856, ist in einer "der anmuthigsten Gegenden der Mark Brandenburg, am Fuße und theils am Abhange der steilen Hügelkette, welche das linke Ufer der Oder begleitet", gelegen. Einen besonderen Blick auf die Stadt und ihre Umgebung hat derjenige, der mit dem Schiff, wie es jetzt wieder möglich ist, einen Ausflug auf der Oder macht. Als man gar noch die Stadt mit dem Schiff anreiste, schrieb ein Passagier eines der ersten Dampfschiffe, an seine Frau: "die Fahrt auf dem Dampfschiff hierher war einzig; ich habe Dich tausend Mal hergewünscht! Die nahen Ufer der Oder gewährten das schönste Schauspiel, man sah jeden Schmetterling und Vogel, jede Blume, alle Heerden und die Mäher in den Wiesen. Das Heu verbreitete einen balsamischen Wohlgeruch...Die Oder hat reizende idyllische Ufer, die von sanften Anhöhen und Bergen unterbrochen werden." Wenn der heutige Eindruck auch ein etwas anderer als vor einhundertfünfzig Jahren ist, so überrascht den Betrachter auch heute noch die Flußlandschaft und die sich darin einfügende Stadt Frankfurt (Oder).
Unweit davon befinden sich die sogenannten Pontischen Hänge. Alljährlich wandern im zeitigen Frühjahr viele Frankfurter in Richtung Lebus. An den zum Oderufer hinführenden Hängen blühen dann mit gelben Blütensternen zahllose Adonisröschen. Nach der Sage sind die Blumen dem Blute des sterbenden Adonis entsprossen. Die Landschaft, durch die sich der Oderstrom hindurchschlängelt, mit den Jahr für Jahr überfluteten Oderwiesen berührt nicht nur den Einheimischen, sondern auch den Besucher. Sie regte immer wieder Künstler an. Der Maler Carl Alexander Brendel, der "Meister der Oderlandschaft", ließ sich um 1910 wegen der Atmosphäre der Umgebung hier nieder. Die Landschaft wurde durch die letzte Eiszeit geformt. Die Randlage des Eises während der Weichseleiszeit führte in einem Bogen von Döbberin über Rosengarten südlich an Booßen vorbei nach Beresinchen bis Kunowice. Das langsam abtauende Wasser floß oberhalb von Frankfurt nach Süden. Es wird angenommen, dass ein kleiner Nebenstrom aus dem Sandgrund und Langen Grund dann bei Güldendorf in den Strom mündete. Das Wasser sammelte sich in einer Rinne, dem sogenannten Warschauer-Berliner Urstromtal. Es bildete sich eine Endmoränenlandschaft mit größeren Erhebungen heraus. Mit dem Rückzug der Gletscher nach Nordosten wurde das Lebuser Land freigelegt, es entstand durch die enormen Ablagerungen beim Abtauen die Hochfläche westlich der später ihren Lauf verändernden Oder. Steinerne Zeugnisse der Geburtszeit unserer heutigen Landschaft sind die gewaltigen erratischen Blöcke, welche die Gletscher aus dem skandinavischen Gebirge zu uns transportierten. Einige dieser unter Naturschutz stehenden Steine befinden sich im heutigen Frankfurter Stadtwald bei Rosengarten. In der Nähe des Forsthauses Eduardspring liegen die nach ihren Formen als Pilzstein und Kappe bezeichneten Granitblöcke und unweit davon ist der elf Tonnen schwere Näpfchenstein zu finden. Aber nicht nur die Umgebung, sondern auch die Stadt selbst fand rühmende Worte. Rahel Varnhagen von Ense schrieb 1823 an ihrem Mann, einen Berliner Schriftsteller der Romantik: "Eine vortreffliche Promenade habe ich durch die Stadt gemacht, die wahrlich eine der hübschesten Provinzstädte ist; reinlich, tüchtig, sicher, frei, herrliche Häuser: und ein Spaziergang, wie ihn wenige größere Orte aufzuweisen haben: einen Park und eine Lindenallee in der Stadt. So heißen die Orte: ich verstarrte ganz. Ich war mit Doren allein. Mein Vergnügen. Alle guten Bürger fahren spazieren, wie in Berlin. Die Stadt würde dich sehr freuen und erstaunen, wie mich." Auch heute noch ist Frankfurt eine Stadt mit vielen Grünanlagen. Die erst nach Rahel Varnhagens Besuch umgestaltete westliche Wall- und Grabenanlage, der heutige Lennè-Park, die neuen Baumgruppen auf der Fläche des einstigen Wilhelmsplatzes an der Heilbronner Straße und des Kleinen Wilhelmsplatzes an der Post, der Park bei der Gertraudenkirche und der alte Anger mit der genannten vierreihigen Lindenallee durchziehen die Stadt gleichsam wie ein grünes Band. Dazu kommen weitere, vor längerer Zeit geschaffenen Parks und Grünanlagen. Und nicht zuletzt wird der Besucher, wenn er Frankfurt vom Bahnhof her betritt, von Rosen empfangen, mit denen der Abhang an der Bahnhofstraße bepflanzt wurde. In den Parks sind jedes Jahr im Mai die Sprosser und auch noch Nachtigallen zu hören. Letztere von alters her hier heimisch, wurden schon von Johann Christoph Beckmann, einem Professor der ersten Frankfurter Universität, im Jahre 1706 erwähnt: "Umb Franckfurth herumb aber gereichet zu einer sonderbahren Annehmlichkeit, daß sich daselbst...viele Nachtigallen finden, da sie hergegen an andern Orten in der Marck sich nicht gewehnen wollen". Frankfurt war von Beginn seiner Geschichte an eine der großen, bedeutenden brandenburgischen Städte und behauptete sich als Mitgliedsstadt der Hanse, als "Haupt- und Handelsstadt", als Universitätsstadt und anschließend als Hauptstadt eines Regierungsbezirkes über die Jahrhunderte. Als im Jahre 1826 der Kreis Frankfurt aufgelöst wurde, erhielt die Stadt mit dem 1. Januar des nächsten Jahres Kreisfreiheit. Noch heute ist sie eine kreisfreie Stadt. Nur für einen kurzen Zeitraum, von 1950 bis 1952, stand statt einem Oberbürgermeister ein Bürgermeister an der Spitze der städtischen Verwaltung. Als am 1. Oktober1920 "Groß-Berlin" aus dem Verband der Provinz Brandenburg ausschied, war Frankfurt die größte Stadt der Provinz.

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