Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

Frankfurt (Oder) - so wie es war


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Bald nach der Verleihung des Stadtrechtes begannen die Bürger mit der Erweiterung der vorhandenen Siedlung nach Süden. Dafür mußte zuerst ein Stadtgraben angelegt werden, der das aus der Höhe herabfließende Quellwasser auffing und in die Oder leitete. Dieser Graben umschloß von Westen das gesamte Stadtgelände. Das Wasser eines inmitten der künftigen Stadt, zwischen der Gr.Scharrnstraße und der Karl-Marx-Str., gelegenen und erst später trockengelegten Pfuhles wurde durch einen quer über den heutigen Brunnenplatz am Oderturm angelegten Stichgraben abgeleitet. Bei der Aufteilung der bebaubaren Fläche wurden zwei Quartiere als Platz für das Rathaus, den Markt, die Marienkirche und für den Friedhof reserviert. Die Straßen zwischen den abgesteckten Quartieren führten zum Oderufer und der zwischen Forst- und Bischofstraße gelegenen Niederlage.
Bald wurde mit dem Bau des Rathauses, der Marienkirche, der hölzernen Oderbrücke und der Stadtmauer begonnen. Als Baumaterial dienten neben den Granitquadern schon im größeren Umfang Ziegelsteine, nach deren Bezeichnung als "gebackene Steine" der Baustil jener Zeit benannt wird. Wie mühselig die Zerlegung der großen Granitfindlinge war, kann man am Näpfchenstein bei Rosengarten sehen. Die sogenannten Näpfchen sind in den Stein eingearbeitete Vertiefungen, in welche Hartholzkeile getrieben wurden. Die Keile wurden mit Wasser getränkt, quollen auf und sprengten dabei den Stein. Auf einem Fundament und Sockel aus solchen Granitquadern wurde die Marienkirche errichtet. Schon ihre erste Gestalt als dreischiffige Hallenkirche mit der doppeltürmigen Westfassade läßt vermuten, daß diese Kirche vielleicht unter landesherrlicher Beteiligung entstand und als Kathedrale und somit Frankfurt als Bischofssitz gedacht war. Von ihrer Erbauung erzählte man sich die Sage vom verlorenen Hufeisen, wovon heute noch das an der Südseite der Kirche sichtbare halbmondförmige Gebilde künden soll. Der Teufel soll, durch den Baulärm in seiner Ruhe gestört, den Bau untersagt haben. Als dennoch die Bauarbeiten weitergeführt wurden, sprang er gegen das gewaltige Bauwerk und blieb mit seinem Huf im frischen Mörtel stecken. Zum Einsturz brachte er das Gebäude jedoch nicht. Es wird angenommen, daß des Zeichen mit dem sich darüber befindlichen, nach links gekippten kleinen Kreuz der Heiligenschein des Apostels Andreas ist, der den Märtyrertod an einem schrägstehenden Kreuz fand.
Nach den steuerfreien Jahren wandten sich die Frankfurter an die Berliner Ratsherren und erhielten um 1260, mit einer undatierten Urkunde deren Rechtsartikel übermittelt. Sie bildeten die Grundlage für das Leben in der Stadt, die Verwaltung und das Verhältnis der Bürger untereinander. Danach war aus dem Patriziat der Rat für ein Jahr zu wählen. Dieser hatte wiederum den neuen Rat für das nächste Jahr zu bestimmen. Diese sogenannte Ratsversatzung brachte es mit sich, daß jahrhundertelang einzelne Geschlechter den Rat bestimmten. Nach der Urkunde war der Gebrauch falschen Scheffelmaßes und unrechter Elle verboten. Innungen durften nur gebildet werden, wenn der Rat es gestattete. Der Rat hatte einen Obermeister für die Bäcker zu ernennen, der mit zwei Ratsmannen das Brot zu prüfen hatte. Zwei geschworene Tuchbeschauer sollten auf die Qualität der hergestellten Tuche achten. Sollte jemand die Ratsleute bei der Ausübung ihres Amtes beschimpfen, führte dies zur Anklage beim Stadtschulzen, wobei das Zeugnis der Ratsmänner beweiskräftig war.