Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

Frankfurt (Oder) - so wie es war


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Er legte 1678 hinter dem Universitätsgebäude den botanischen Garten an, in dem zwei Jahre später schon 700 verschiedene Pflanzenarten wuchsen. Mit dem Wirken dieses universellen Gelehrten der Viadrina verbindet sich auch die Fortführung des hebräischen Buchdruckes. Lange zurück lag die Zeit, als in Frankfurt hebräisch gedruckt wurde (1594/95). Um so mehr wurde nun eine hebräische Druckerei gebraucht. Beckmann übernahm 1673 von seinem Stiefbruder eine Druckerei und schaffte sich hebräische Drucktypen an. Für die Beschäftigung von jüdischen Buchdruckergesellen erlangte er ein entsprechendes Privileg. In dieser Druckerei entstand 1697 erstmals in Deutschland der vollständiger Druck des babylonischen Talmuds. Die Drucke fanden als wichtige Handelswaren der Frankfurter Messen weite Verbreitung in Polen.
Unmittelbar nach dem Ende des 30jährigen Krieges erfuhren die Frankfurter Messen, einen raschen Aufschwung. Bald reichte ihre bisher übliche Dauer von drei bis vier Tagen nicht mehr aus. Auf Antrag der Stadt genehmigte der Kurfürst 1658 eine 12tägige Dauer. Sich selbst behielt er das Vorkaufsrecht für den Pferdemarkt vor. Wie auf allen Gebieten nahm der Staat auch auf die Messen in dieser Zeit immer stärkeren Einfluß. Dabei machte sich der schon genannte Christoph Werner Hille, einst Steuerrat und dann Küstriner Kammerdirektor verdient, der lange versuchte, mit möglichst geringen Abgaben den Besuch der Messen zu befördern. Auf Hilles Empfehlung verordnete ein Kgl. Patent vom 30.Januar 1737, einen äußerst niedrigen Zoll, nämlich sieben Groschen von jeder Pferdeladung, das Einzelgut sollte zudem frei sein. Desweiteren sollten "alle Zollplackereien ... gegen Christen und Juden abgestellt werden". Die Zöllner hatten bei einer angedrohten Strafe von 10 Talern alle höflich zu behandeln. Diese neuen Regelungen ließen die Zahl der ausländischen Messebesucher wieder ansteigen. Ein Großteil der Frankfurter Meßfremden waren ostjüdische Einkäufer, die besonders nach der Reminiscere- und Margarethenmesse zu den wichtigen Ostmessen in Brody und Dubno weiterzogen. Die Juden hatten sogar mit königlicher Genehmigung seit 1739 einen besonderen Vertreter in Frankfurt zu sitzen. Dabei scheinen die hiesigen Messen nicht nur Handelsplatz für die Juden gewesen zu sein, "zur Messe erschienen auch vielfach fremde Rabbiner, die zu Meßgerichten zusammentraten und oft mit allgemeinen jüdischen Angelegenheiten befaßt wurden". Um die Akziseeinnahmen durch eine möglichst vollständige Erfassung der Waren zu erhöhen, wurde 1732/ 33 die sogenannten Landwehr errichtet. Nicht erst am Stadttor, sondern schon am "Eingang" der jeweiligen Vorstadt war zu zahlen. Die Lebuser und Gubener Vorstadt wurden mit einem Palisadenzaun und die Dammvorstadt mit dem Barrieregraben gesichert. Ein Tor (Landwehr) befand sich am Beginn der heutigen Gubener Straße beim Carthausplatz. Das Fürstenwalder Tor befand sich auf der 1910 vom Hotel "Prinz vonPreußen" überbauten Fläche (heute hier das Arbeitsamtsgebäude). Hier endete die im Bogen nordöstlich des heutigen Stiftsplatzes ankommende alte Straße aus Fürstenwalde. Ein weiteres Tor gegenüber der alten Georgenkirche sperrte die Berliner Straße ab. In die Dammvorstadt gelangte man durch das Crossener Tor (bei der heutigen Kirche von Slubice). Der Akzisezahlung diente die Einrichtung einer Malz- und Mehlwaage und vor allem die Umwandlung der bisherigen Niederlage in einen Packhof und die Errichtung des Bollwerkes mit einem Kran.
Die merkantilistische Wirtschaftspoltik Friedrichs II. förderte die sich entwickelnde einheimische Industrie. Zur Sicherung des Absatzes wurde den ausländischen Waren eine erhöhte Akzise auferlegt, welche aber bald wieder verringert werden mußte, da die Meßfremden, zur Freude des großen Konkurrenten der Messestadt Frankfurt, gleich nach Leipzig gingen. Hohe Transitzölle und das Verbot des Handels mit Wolle und anderen Waren brachten in der Folge den Rückgang der Frankfurter Messen. 1765 wurde verordnet, daß "für jede Elle ausländischer seidener Waren...100 Thaler Strafe zu erlegen sei", 50 davon erhielt derjenige, der die Waren anzeigte. An einheimischer Industrie sind neben den schon genannten Manufakturen der französischen Einwanderer, unter anderen die Heinrichsche Fayencenmanufaktur und die um 1749 durch Oberbürgermeister Thering errichteten drei Unternehmungen zur Verbesserung der Einkünfte des von ihm begründeten lutherischen Waisenhauses zu nennen. Wenig ist bekannt von der wohl bald wieder eingegangenen Lederfabrik und der Seidenfabrik, zu deren Betrieb überall in der Stadt, selbst auf den Wällen und im Stadtgraben Maulbeerbäume gepflanzt wurden. Letztere soll nach H. Bieder (1908) in der Gubener Vorstadt, Unter den Linden, gewesen sein. "Es gehörte zu ihr ein vierstöckiger Warenspeicher". Von dem Speicher ist bekannt, daß er sich auf dem Gelände des späteren sogenannten Kettenhauses, westlich von St.Gertraud befand. Das dritte Unternehmen war die Wachsbleiche in der Dammvorstadt. 1777 ging es in den Besitz des Kaufmanns Harttung über, dessen Nachfolger hier bis 1945 eine Wachswaren – und Kunstwabenfabrik führten. Von 1766 bis 1769 entstand auf dem Gelände der alten Sternschanze am Ausgang der Brücke die königliche Seidenmanufaktur. Unter der Leitung der Fabrikanten Beske, Moreau und Chanony produzierten hier Lohnarbeiter an 70 Webstühlen bis zu 16 Stunden täglich (1775). Nach dem Tod Beskes, in dessen alleinigen Besitz die Fabrik zuletzt war, hörte die Fabrik auf zu produzieren. Nach dem 30jährigen Krieg mußte die Stadt neu aufgebaut werden. Zuerst wurden die Wohngebäude, Kirchen und anderen Gebäude notdürftig instandgesetzt, dann setzte eine rege Bautätigkeit ein. Noch während der Zeit des Aufbaus brach am 5. September 1666 westlich der Marienkirche ein großes Feuer aus.

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