Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

Frankfurt (Oder) - so wie es war


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Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Im Zuge der nationalen Erneuerung nach 1807 benötigte Berlin als geistiges Zentrum und Hauptstadt eine Universität. Ende 1808 wurde bereits laut von einer Verlegung der Frankfurter Universität gesprochen, Gerüchte besagten, daß sie nach Berlin verlegt werden sollte.
1810 öffnete die von Wilhelm von Humboldt in Berlin geschaffene neue Universität ihre Pforten. Es war jedoch noch nicht die Schließung der Viadrina geplant. Im Gegenteil, W. von Humboldt wollte sie neben Berlin bestehen lassen, da er glaubte, wie er am 4. März 1810 in einem Brief nach Frankfurt schrieb, " es wird immer noch Menschen geben, die lieber hier, als in Berlin studieren" ( G. Heinrich, 1983). Ein jährlicher Zuschuß, den der einstige Viadrinastudent Wilhelm von Humboldt, Chef des Sektors Kultur und öffentlicher Unterricht im preußischen Innenministerium, der Universität verschaffte, ließ Frankfurt hoffen. Die Professoren versuchten die Viadrina zu retten. Professor Eichhorn wandte sich an den Staatskanzler Karl August von Hardenberg, der am 9. August 1810 versprach " für die Universität Frankfurt mit Eifer alles (zu) thun, was die jetzigen Staatsverhältnisse gestatten". Aber neben Berlin bedurfte auch Schlesien einer Universität und Breslau meldete sich zu Wort. Anfang Februar 1811 erreichte die Frankfurter die Nachricht von der Verlegung ihrer Universität nach Breslau. Eine Bittschrift des Magistrates erwirkte einen kleinen Aufschub. Am 3. August verfügte dann aber eine Kabinettsorder die Aufhebung der Universität in Frankfurt an der Oder und ihre Überführung nach Breslau.
Professor Christian Ernst Wünsch, der von Heinrich von Kleist sehr geschätzte Lehrer, führte das letzte Rektorat und mußte die Überführung regeln. Am 10. August fand das Abschiedsfest der Studenten statt. Irgendwann in diesen Tagen wurden dem Rektor Wünsch die Scheiben seines Hauses (Junkerstraße 19) eingeschlagen. Indessen brachte man das Universitätsarchiv, die Bibliothek, die Schätze des botanischen Gartens nach Breslau. Es hieß Abschied zu nehmen:

"So war denn seit des Wimpina Zeiten
Bis auf Wünsch hier eine Musenstadt,
Wo die Lehrer Geistessaat ausstreuten,-
Die der Welt so viel genützte hat.
Frankfurts Ruhm erschallte weit und breit;-
Hin auf ewig ist die goldne Zeit"
(L.Hünicke, 1811)

Damit endeten 305 Jahre Frankfurter Universitätsgeschichte. In dieser langen Zeit besuchten etwa 65.000 Studenten die Viadrina. Unter ihnen waren etwa 3000 aus Polen, den baltischen Staaten, Rußland und Ungarn, die hier ihre Studien begannen und an weiter westlich gelegene Universität weiterzogen. Berühmte Studenten der Viadrina waren neben den schon Erwähnten Thomas Müntzer, der in Frankfurt geborene geistliche Dichter Bartholomäus Ringwaldt, der Dichter Martin Opitz, der Komponist und Musiktheoretiker Michael Praetorius und der Komponist Carl Philipp Emanuel Bach sowie der Arzt und Enzyklopädist Johann Georg Krünitz. Die Frankfurter Professoren gingen nach Breslau und Berlin. Zu den wenigen, die in Frankfurt bis zu ihrem Lebensende blieben, gehörten Prof. Spieker (gestorben 1859) und Prof. Wünsch (gestorben 1828). Die Bauten der Universität sollten nun anderweitig verwendet werde. Das Hauptgebäude sollte ein Gesellschaftshaus für Versammlungen und Theateraufführungen werden. Daraus wurde zwar nichts, Maskenbälle sollen aber hier stattgefunden haben.
1815 schloß die Stadt mit der Universität Breslau sowie mit dem Staat Verträge, wonach die Stadt 10000 Taler sowie die an der Unterkirche angebaute ehemalige Communität, den Karzer und das Hauptgebäude im Tausch für ihr Schulgebäude mitsamt dem Stadthof bekam. In der ehemaligen Communität, wo einst die Universitätsdruckerei war, richtete die Stadt 1823 ein Armenhaus ein. Die etwa 100 Insassen beschäftigten sich mit der Herstellung von Decken. Das Hauptgebäude – das sogenannte Große Collegienhaus - wurde vorerst nur als Heu- und Strohmagazin genutzt. In das ehemalige Juristencollegium zog das neue Oberlandesgericht. Das der Universität gehörende einstige Karthäuserkloster -, in dem am Ende des 18. Jahrhunderts ein Feuer noch die letzten Reste des alten Klostergebäude zerstört haben soll - wurde vom Staat verpachtet und 1839 verkauft. Hier entstand 1821 das "Carthausbad", ein sehr beliebter Ausflugsort der Frankfurter. Für den Badebetrieb leitete der Besitzer eine Quelle vom Buschmühlenweg 4 in die Badezellen.
Wenn König Friedrich Wilhelm III. der Stadt auf ihre Bittschrift vom Februar mit der Kabinettsorder vom 24. April 1811 versicherte, daß er die Stadt auf andere Weise zu unterstützen suchen und jeden hierauf gerichteten Antrag gern annehmen, sorgsam prüfen und nach Befinden gern ausführen würde, so wußte die Stadt sehr schnell, was für einen Ersatz man beantragen wolle, nämlich die neumärkische Kriegs- und Domänenkammer (nachmalige Regierung) und das Oberlandesgericht. Im Mai wandte sich eine Deputation an den König. Sie kam nach Frankfurt mit einer gewichtigen Kabinettsorder des Königs vom 22. Mai 1811 zurück:
"Ich habe Mir nicht verhehlen können, daß die nothwendig gewordene Verlegung der Universität von Frankfurt nach Breslau jener Stadt bedeutende Nachteile bringen müsse, und werde gern die Anträge der Deputierten, die Landes-Collegien der Neumark dahin zu versetzen Gehör geben, sobald die von Mir bereits befohlene Untersuchung ergiebt, daß derselben keine unübersteiglichen Hindernisse entgegenstehen" (F. Bardt, 1880).

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