Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

FAQ


Dr. jur et. phil. Paul Otto Theodor Trautmann (1917-1925)

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Auf die Ausschreibung zur Besetzung der vakanten Stelle des ersten Bürgermeisters bewarb sich am 15. November 1916 auch Dr. Trautmann aus Berlin, Vortragender Rat im Ministerium des Innern. T., geboren in Stassfurt am 24. Februar 1881, hatte nach seinem Studium der Rechte und bestandenen Referendar- und Assessorexamen ab 1912 im Ministerium gearbeitet. Mit Kriegsbeginn wurde er in die Kriegswirtschaftliche Abteilung IV versetzt und arbeitete bei der Bewirtschaftung des Brotgetreides, im Kriegsausschus Oele und Fette und anderen Stellen. Die Stadtverordneten, welche hofften, das es ihm durch seine praktischen Erfahrungen gelänge, die Notsituation während des Krieges zu meistern, entschieden sich am 12. Dezember 1916 für T. und wählten ihn für eine Amtsperiode von 12 Jahren. Seine Amtseinführung erfolgte am 13. Februar 1917. T. führte die Stadt durch die Jahre des Krieges, vom Kaiserreich zur Republik. Nach dem Ende des Krieges veränderte sich mit dem Versailler Vertrag die Situation der Stadt. Frankfurt sollte nach T. Vorstellungen als größte Stadt eines neuen Grenzlandes an der näher gerückten Grenze zum polnischen Nachbar, an Brombergs und Posens Stelle, die Führung übernehmen und politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum einer (nicht zustande gekommenen) mittleren Ostmark werden. Neben der Linderung der täglichen Not - auf dem Höhepunkt der Inflation 1923 mussten 20% der Stadtbevölkerung vom neugeschaffenen Wohlfahrtsamt der Stadt unterstützt werden- wurden mit Notstandsarbeiten und Notkrediten der Regierung zugleich die Standortbedingen für die künftig hier anzusiedelnde Industrie verbessert. Im Westen der Stadt entstand ein Industriegebiet. Wichtig zur Herausbildung als Verkehrsknotenpunkt war die Herholung der neugebildeten Reichsbahndirektion Osten, für deren Beamte zahlreiche Häuser in der Stadt entstanden (1922-1925) und die Bildung des „Brandenburgischen Odervereins“ als Zusammenschluss der Wasserwirtschaftsinteressierten der Provinz Brandenburg in Frankfurt. 1924 fand, für Besucher aus der ganzen Provinz, die „Ostmarkschau für Gewerbe und Landwirtschaft“ statt. Zur Herausbildung als kultureller Mittelpunkt wurde die „Kleist-Gesellschaft“ initiiert, die Stadt beteiligte sich jetzt am Theater durch die Bildung einer Theater GmbH, eine Ostmarkbibliothek wurde geschaffen und der Bau neuer Schulen und eines Stadions geplant. Die Jahre des Wirkens von T. in Frankfurt sollten die Stadt nachhaltig verändern. Umso mehr wurde bedauert, dass T. am 22. Oktober 1925 aus den Diensten der Stadt ausschied, um in Braunschweig das Amt des Oberbürgermeisters zu übernehmen. Dort verstarb Dr. Trautmann am 13. August 1929. Die Stadt Frankfurt ehrte ihn, indem sie später einer Straße seinen Namen gab (heutige Heinrich-Zille-Straße).