Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

FAQ


Martin August Reinhold Albrecht (1933-1943)

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Je kleiner die kommunale Selbständigkeit war, um so geringer waren die Handlungsmöglichkeiten des jeweiligen Oberbürgermeisters. In der NS-Zeit wurde die kommunale Selbstverwaltung vollständig abgeschafft. Die letzte Sitzung der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung war am 25. April 1934, bald danach wurde die Stadtverordnetenversammlung abgeschafft. Der Oberbürgermeister wurde vom Staat eingesetzt.

Nach Dr. Kinnes Suspendierung wurde Martin Albrecht am 14. Oktober 1933 als kommissarischer Oberbürgermeister bestimmt. A. war einer der sieben zuvor durch Verfügung des Regierungspräsidenten eingesetzten unbesoldeten Magistratsmitglieder. Mit ihm zogen die Nationalsozialisten in den Magistrat ein. Aufrechte Demokraten mussten das Rathaus verlassen, wurden beurlaubt und bald in den dauernden Ruhestand versetzt. Der am 26. Dezember 1893 in Ohra/ Danzig geborene A. war als Bezirksvertreter im Lebensmittelgroßhandel für Brandenburg und Schlesien seit 1927 in Frankfurt (Oder). Zwei Jahre später stand er der Spitze der hiesigen NSDAP und saß für diese Partei im Reichstag. 1932 war er auch Mitglied der NSDAP-Fraktion in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung. Am 15. August 1934 erfolgte seine feste Anstellung als Oberbürgermeister. Unter den Nationalsozialisten sollte Frankfurt Gauhauptstadt und Provinzialhauptstadt der Provinz Brandenburg mit 160. 000 Einwohner werden. Dazu sollten große Teile der die Stadt umgebenden Kreise eingemeindet und – unter Beseitigung der Gubener Vorstadt – ein riesiges „Gauforum“ errichtet werden. Während seiner Zeit als Oberbürgermeister wurde Frankfurt militärisch ausgebaut. Der Widerstand gegen das NS-Regime wurde gebrochen, viele überlebten Verhaftung und Lagerhaft nicht. Nach dem anfänglichen Boykott der jüdischen Geschäfte 1933 und Vertreibung wurde 1938 die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung der Stadt eingeleitet. Bald existierte die jüdische Gemeinde der Stadt nicht mehr.
Die Zeit von A. als Oberbürgermeister reichte bis 1943. Bei einem Prozess gegen den ehem. Geschäftsführer der Frankfurter Elektrizitäts- Werke war er erst als Zeuge geladen, dann selbst angeklagt und in einem zweiten Sondergerichtsprozess wegen Bestechlichkeit zu 1 ½ Gefängnis verurteilt. Es ist anzunehmen, dass A., der 1936/1937 seine Parteiämter niedergelegt hatte, auf Betreiben des Gauleiters der NSDAP abgesetzt werden sollte. A. wurde in das Strafgefängnis Tegel gebracht und später an die Front geschickt. 1945 kam A. in Holland in englische Gefangenschaft, wurde im Fallingbostel interniert und 1947 nach Dortmund entlassen. Dort verstarb Albrecht am 13. August 1952.