Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

FAQ


Oskar Wegener (1946-1948)

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Zu Dr. Ruges Nachfolger wurde auf dessen Vorschlag, Oskar Wegener bestimmt. W., der die Geschäfte seit dem 2. August 1946 führte, wurde zum 1. September als Oberbürgermeister ernannt. Vor der Wahl des Oberbürgermeisters bedurfte es der Zustimmung der Landesregierung und der Sowjetischen Militäradministration. Mit W. übernahm ein alter Sozialdemokrat mit lang zurückreichender Erfahrung das Amt des Stadtoberhauptes. W., geboren am 18. November 1877 in Breslau, erlernte das Steinmetzhandwerk und wurde 1902 in Kassel Mitglied der SPD. Sein Weg führte ihn über Hildesheim nach Frankfurt (Oder), wo er 1914 (bis 1933) den Vorsitz des SPD- Unterbezirkes Frankfurt (Oder)/ Lebus übernahm. Seit 1919 (bis 1933) war er Stadtverordneter, Vorsitzender der SPD-Fraktion, Abgeordneter des Provinziallandtages und bald Mitglied des Provinzialausschusses und Preußischen Landtages. 1926 gründete er die „Gewoba“ (Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft GmbH), der er als Geschäftsführer bis 1933 vorstand. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde W. im Juni 1933 als prominentes Mitglied der zwangsweise aufgelösten SPD in das Zuchthaus (und spätere KZ) Sonnenburg gebracht. 1935 und 1944 wurde er erneut verhaftet. Nach seiner Verhaftung am 22. August 1944 brachte man ihn in das KZ Schwetig. Von dort kam er nur durch Fürsprache aus dem Reservelazarett 101 Frankfurt (Oder), wohin er seit 1939 dienstverpflichtet war, wieder frei. W. kam am 20. Mai 1945 nach Frankfurt zurück und wurde von Dr. Ruge mit dem Aufbau der Bezirksbürgermeisterei I beauftragt. Ab 5. September 1945 übernahm er als Stadtrat die Leitung des Stadtbauamtes. 1 ½ Monate nach der Übernahme des Oberbürgermeisteramtes, am 15. September 1946, fand die Gemeindewahl statt. Damit wurde fast anderthalb Jahre nach der Einnahme der Stadt durch die Rote Armee und dem Wirken des von ihr eingesetzten Oberbürgermeisters Dr. med. Ruge erstmals wieder in Frankfurt (Oder) gewählt. Nach der im Zusammenhang mit der Gemeindewahl verabschiedeten Gemeindeverfassung für die sowjetische Besatzungszone sollte auch Frankfurt eine sich relativ selbst verwaltende Gemeinde sein, deren Bürger in geheimer, gleicher und direkter Wahl ihre Gemeindevertretung für zwei Jahre wählte. Von den bei dieser Wahl gültigen 28.492 Stimmen errang die zuvor aus der KPD und SPD gebildete SED 15.124 Stimmen, die CDU 4.493, LDP 8.665 und der Frauenausschuss 210 Stimmen. W., der als Vorsitzender der Frankfurter SPD nach äußerem Druck der Vereinigung mit der KPD zugestimmte, wurde nun als Spitzenkandidat der SED aufgestellt. Nach der Gemeindewahl wählte ihn die Stadtverordnetenversammlung am 30. Oktober 1946 mit 48 Ja-Stimmen und einer Enthaltung zum Oberbürgermeister. An den Aufbau des zerstörten Zentrum der Stadt war in seiner Amtszeit nicht zu denken. Die Verordnung über den Wiederaufbau der Stadt (18. März 1947) und eine ausgeschriebener Wettbewerb, dessen prämierter Entwurf vorsah, dass im Zentrum nur noch moderne Bauten entstehen sollten und deshalb von der Stadt kritisiert wurde, blieben ohne Folgen. Inzwischen hatte sich die Größe des Stadtkreises verändert, Lossow (das später wieder eingegliedert werden sollte), Brieskow - Finkenheerd, Ober- und Unterlindow, Weißenspring und Schlaubehammer wurden in den damaligen Kreis Lebus zurückgeführt. Der Stadtkreis bildete sich nach einem 1947 erlassenen Gesetz des Landtages unter der Eingemeindung der verbleibenden Dörfer Kliestow, Rosengarten, Lichtenberg, Markendorf und Güldendorf.
Im Zusammenhang mit der Anfeindung des Wirtschafts-Stadtrates Schlüter sowie der Verhaftung des Geschäftsführers der F. E. W. K. -H. Boehmer- beide wandten sich gegen die faktische Verstaatlichung der kommunalen Betriebe - legte W. mit einem Brief vom 15. November 1948 an den Stadtverordnetenvorsteher sein Amt zum 31. Dezember 1948 nieder. Nach seinem Ausscheiden aus dem Rat der Stadt lebte er noch einige Jahre in Frankfurt und zog dann nach Eisenhüttenstadt. Dort starb Oskar Wegener am 29. Mai 1962.