Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

FAQ


Willy Hermann Jentsch (1949-1950)

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Nach Oskar Wegener übernahm Willy Jentsch die Geschäfte des Oberbürgermeisters. Am 17. Februar 1949 wählte ihn die Stadtverordnetenversammlung in geheimer Wahl mit 38 Ja-Stimmen gegen 1 Nein- Stimme und 8 Stimmenenthaltungen zum Oberbürgermeister. Wie auch seine Vorgänger kannte J. die Stadt. Der am 22. April 1892 in Barschdorf geborene J. lebte seit 1924 in Frankfurt (Oder). Als Unterbezirkssekretär der SPD im hiesigen Unterbezirk, als Stadtverordneter, Mitglied des Provinziallandtages arbeitete er eng mit Oskar Wegener zusammen und wurde, wie dieser, im März 1933 in Schutzhaft genommen und in das Zuchthaus Sonnenburg verschleppt. Wegen seiner weiteren illegalen Arbeit wurde J. im Dezember 1935 erneut verhaftet und zu 2 ½ Jahren Zuchthaushaft verurteilt. Die Jahre bis zum Ende des NS-Regimes verbrachte J. in Zuchthäusern und im KZ Buchenwald. Während der Haftzeit schloss er sich völlig an die Kommunistische Bewegung an. Bald nach seiner Rückkehr Anfang Juli 1945 wurde J. als stellvertretender Oberbürgermeister (24. Juli 1945) eingesetzt. Im ersten von der sowjetischen Stadtkommandantur bestätigten Magistrat war er für die Polizei und andere wichtige Bereiche direkt zuständig und konnte dadurch auch gegebenenfalls andere Vorstellungen als der jeweilige Oberbürgermeister durchsetzen. Die im September 1946 gewählten Gemeindevertreter wählten J. am 30. Oktober 1946 zum Bürgermeister und Stellvertreter des Oberbürgermeisters. Das ihm 2 ½ Jahre später übertragene Amt des Oberbürgermeisters füllte er nicht lange aus. Durch Beschluss der Regierung der inzwischen gebildeten DDR wurden mit Wirkung 1. Juli 1950 die Kreis- und Gemeindegrenzen verändert. Aus der kreisfreien Stadt Frankfurt mit einem Oberbürgermeister wurde die kreisangehörige Stadt mit einem Bürgermeister an der Spitze. J. verzichtete auf die Möglichkeit seiner Bewerbung und gab am 30. Juni 1950 sein Amt auf, führte jedoch noch bis zum Antritt des neuen Bürgermeisters (7. Juli 1950) die Geschäfte weiter. Am 31. Juli 1950 verließ er Frankfurt (Oder) und zog nach Potsdam- Babelsberg. Am 26. Mai 1966 verstarb W. Jentsch in Potsdam.