Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

FAQ


Erwin Paul Hinze (1950-1955 )

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Bald nach der Gründung der DDR sollte der Anspruch einer kommunalen Selbständigkeit erneut stark eingeschränkt werden. Für die folgenden Wahlen wurde die Kandidatenaufstellung verändert. Die Stadtverordnetenversammlung wurde auf einen Wahlvorschlag der Nationalen Front hin, in der- unter Anerkennung der führenden Rolle der SED - die Parteien und Massenorganisationen zusammengeschlossen waren, gewählt. Sie wählte dann, nach dem Vorschlag des demokratischen Blocks des Stadtkreises und des Sekretariats des Kreisausschusses der Nationalen Front, aus ihrer Mitte – für vier, dann fünf Jahre - den Oberbürgermeister. Die Wahlen erfolgten meist einstimmig. Die Stadtverordnetenversammlung hatten zwar über alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft selbst zu entscheiden, war dabei jedoch an die „Prinzipien des demokratischen Zentralismus” gebunden. Die Stadt wurde zur örtlichen Ebene des zentral organisierten Staates.

Mit Erwin Hinze wurde ein Kandidat für das neugeschaffene Bürgermeisteramt der kreisangehörigen Stadt nach Frankfurt geschickt, der, anders als seine Vorgänger, keinen näheren Bezug zur Stadt hatte. H., von 1947 bis 1949 hauptamtlicher Sekretär im Landesvorstand der SED und anschließend bis zum 30. Juni 1950 Abteilungsleiter im Landesvorstand für das Aufgabengebiet Kommunalpolitik, nahm am 7. Juli 1950 seine Tätigkeit in Frankfurt (Oder) auf. Der am 8. August 1909 in Nowawes (Babelsberg) geborene H., gelernter Bootsbauer und bis zum Verbot Mitglied der SPD, begann nach dem Krieg bei der Konsumgenossenschaft Potsdam-Babelsberg. Am 1. Dezember 1945 wurde er Sekretär im SPD-Kreisvorstand Potsdam. Nach der Bildung der SED arbeitete er im SED–Kreisvorstand Potsdam und bald im Landesvorstand. In dieser Zeit wandte sich die DDR vom föderalen Prinzip ab, wurde das politische System weiter zentralisiert. 1952 entstanden statt der (formal nicht aufgelösten) Länder 14 Verwaltungsbezirke. Frankfurt wurde dadurch Bezirkshauptstadt des neugebildeten Bezirkes Frankfurt (Oder), und kreisfreie Stadt mit einem Oberbürgermeister an der Spitze. Am 12. September 1952 wählte die Stadtverordnetenversammlung H. rückwirkend zum 1. September 1952 als Oberbürgermeister. Nach 1952 wurden die Geschicke der Stadt immer mehr von dem in der Stadt errichteten Rat des Bezirkes und der Bezirksleitung der SED auf Grund zentraler Vorgaben bestimmt. Zu dieser Zeit entstanden entsprechend dem Ministerratsbeschluss vom 1. Februar 1951 die ersten Neubauten in Frankfurt. Mit einem „Sonderinvestitionsprogramm“ errichtete Prof. H. Henselmann die neue Häuser in der Bahnhofstraße (1951-1953).
Nach der Wiederherstellung des Rathauses und dem Einzug des Rates der Stadt 1952 entfaltete sich im Frankfurter Jubiläumsjahr 1953 eine rege Bautätigkeit, an der sich die Frankfurter beteiligten. Zur 700. Jahrfeier konnte die Stadt neben dem Rathaus, auf das neu errichtete Stadion, eine neue Freilichtbühne, den Volkspark (Kleist-Park), ein Pionierhaus und eine Kleistgedenkstätte im Stadtarchiv verweisen.
Am 20. Februar 1955 schied H. aus dem Rat der Stadt aus und nahm eine neue Betätigung bei Rat des Kreises Strausberg an. 1961 zog er nach Potsdam. Dort verstarb E. Hinze am 18. Februar 1972.