Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

FAQ


Fritz Max Krause (1965-1990)

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Am 4. November 1965 wählte die Stadtverordnetenversammlung den Abgeordneten Fritz Krause zum Vorsitzenden des Rates und Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder). Mit dem neuen Oberbürgermeister sollte jemand das Amt bekleiden, der aus dem üblichen Rahmen der Oberbürgermeister der DDR herausragte. Der 1925 in Tzschetzschnow (Güldendorf) bei Frankfurt geborene, kannte die Stadt. Er hatte hier in der Tapetengroßhandlung Albert Link ab1939 seine Lehre und erste Arbeitszeit verbracht. Nach dem Ende des Krieges und der Entlassung aus englischer Gefangenschaft kam er nach Frankfurt (Oder) zurück. 1949 wurde K. vom Rat der Stadt als Bezirksvorsteher für das inzwischen nach Frankfurt eingemeindete Güldendorf eingesetzt. 1950 erfolgte seine Wahl als Stadtverordneter. Nach Stationen bei der FDJ und der Bezirksleitung der SED arbeitete K. beim Rat des Bezirkes (1962-1965). Als Nachfolger der verstorbenen Lucie Hein vorgesehen, begann er am 1. September 1965 beim Rat der Stadt als Mitarbeiter. Der ersten Wahl zum Oberbürgermeister folgten weitere (15. April 1970, 29. Mai 1974, 7. Juni 1979, 24. Mai 1984, 25. Mai 1989). Fritz Krause war über fünf Amtsperioden Oberbürgermeister der Stadt und übertraf mit der mehr als 24jährigen Amtszeit - nach Ungnad mit 27 Jahren - als Oberbürgermeister alle anderen bisherigen Oberbürgermeister.
Die Entwicklung der Stadt war zur Zeit der DDR nur auf Grund zentraler Beschlüsse möglich. Nachdem Frankfurt in die Reihe der Städte mit bevorzugt aufzubauenden Stadtzentren aufgenommen wurde, bereitete der Rat der Stadt 1969 eine Vorlage vor, nach der das Politbüro des ZK der SED über die Gestaltung des Stadtzentrums entscheiden sollte. Zum Teil durch Verzögern konnten dann später einige, für die Stadt ungünstige Beschlusspunkte verhindert werden (unter anderem Erhalt der Marienkirche und der Straßenbahn). Bei der entscheidenden Stellung von SED- Bezirksleitung und Rat des Bezirkes in Frankfurt hatte der Oberbürgermeister nur einen geringen Freiraum. K. nutzte diesen Freiraum, um seine Vorstellungen zum Nutzen der Stadt und ihrer Bürger durchzusetzen, ohne die Linie der SED zu verlassen oder gegen ihre Beschlüsse zu handeln. Anders als seine unmittelbaren Vorgänger versuchte er Neues unter Beachtung des Alten zu schaffen. In den Wendemonaten ermöglichte K. die Arbeit des „Runden Tisches“. Ende Februar 1990 erkrankte K., die Amtsgeschäfte wurden bis zu den Wahlen von dem Stadtrat für Finanzen und Preise, Bernhard Wündisch amtierend wahrgenommen.
Während seiner Amtszeit sollte sich die Stadt zum „politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt des Bezirkes“ entwickeln. Infolge des staatlichen Wohnungsbauprogramms entstanden besonders seit Anfang der 70er Jahre neue Wohnviertel (Nord /1972-1975, im Bereich der Halben Stadt/1973-1978, Kräuterweg/1974-1978, Neuberesinchen /1977-1986). 1972 vergrößerte sich das Stadtgebiet durch die Eingemeindung von Hohenwalde und Lossow (wichtig für die Zuordnung des Helene-Sees nach Frankfurt) und 1973 Booßen. Beim weiteren Rückgang der Privatbetriebe wuchs die Zahl der größeren volkseigenen Betriebe die in Frankfurt angesiedelt wurden. Bezirkliche Kombinatsbetriebe verlegten ihre Stammsitze nach Frankfurt. 1968 bis Mitte der 70er Jahre entstand durch 13 Betriebe der „Industriekomplex West“. Aus der alten Nikolaikirche wurde die Konzerthalle (1967), die Kleist- Gedenk- und Forschungsstätte zog in die historische Garnisonschule (1969). Fritz Krause verstarb am 9. August 2012 in Frankfurt (Oder). Sein Nachlaß befindet sich im Stadtarchiv Frankfurt (Oder).